Friedensplatz
Umgestaltung Kriegerdenkmal nach Entwürfen von Franz Probst

Ortsmitte Süd - mit Neugestaltung Friedensplatz am Kriegerdenkmal“


Mit Mitteln aus der Städtebauförderung nimmt die Gemeinde Wildpoldsried anlässlich des 150-jährigen Bestehens ihrer Krieger- und Soldatenkameradschaft eine Neugestaltung des Kriegerdenkmals und des umliegenden Platzes in Angriff. Die Fertigstellung soll der Volkstrauertag 2022 sein. Der bauliche Teil wird in erheblichem Maße durch die inhaltliche und gestalterische Neuausrichtung ergänzt. Als Unterstützer konnten der Autor, Filmemacher und Historiker Leo Hiemer sowie der Künstler und Steinmetz Franz Probst ( 23.05.2022) gewonnen werden.

Der Anlass

Im Jahr 2022 feiert die Krieger- und Soldatenkameradschaft Wildpoldsried ihr 150-jähiges Bestehen. Im Vorfeld der Feierlichkeiten soll das Kriegerdenkmal von 1954 modernisiert und durch eine Platzgestaltung nach heutigen Gesichtspunkten interpretiert und in den Dorfkern integriert werden. Es soll das Gedenken der Kriegsopfer und gleichzeitig das Thema „Frieden“ in den Mittelpunkt gerückt werden. Das Anliegen eines friedlichen Zusammenlebens steht mit dem Krieg in der Ukraine wieder zentral im Fokus. Das Denkmal wird künstlerisch überarbeitet.
Im Zuge der Neugestaltung des Umfelds wird der Vorbereich des Denkmals gestalterisch und funktional an die angrenzenden Plätze vor der Pfarrkirche und dem Gasthof Hirsch angebunden. Der Spielplatz des Kindergartens wird im Zuge der Umgestaltung der Denkmäler ebenfalls aufgewertet und die fußläufigen Verbindungen vom Kindergarten und der Bücherei im Alten Pfarrhof St. Georg optimiert.
Geplant ist, dass in einem zweiten Bauabschnitt im Zuge der Sanierung der Kreisstraße eine Fußgängerquerung mit Mittelinsel gebaut und die bestehende Bushaltestelle in Fahrtrichtung Westen zum Alten Pfarrhof hin verlagert, barrierefrei ausgebaut und eventuell mit einem Fahrgastunterstand versehen werden. Beim ersten Bauabschnitt ist die Ausbaugrenze der nördliche Fahrbahnrand.
Das Denkmal

Das Denkmal wird in der Mitte in einer Breite von 1 m durchbrochen. Das Schwert wird durch Glasscheibe mit dem Europasymbol ersetzt. Die Scheibe bietet einen Durchblick vom Denkmal als Ort des Gedenkens in die Zukunft zum Spielplatz des Kindergartens. Über den Totentafeln wird ein regenbogenförmiges, Spruchband in leicht getöntem Glas samt einer Aufschrift angebracht. Die Stufenanlage wird entschärft und durch einen barrierefreien Zugang ergänzt. Die Gestaltung erfolgt nach den Entwürfen des jüngst verstorbenen Steinmetz Franz Prost.
Erläuterung zur künstlerischen Gestaltung des Denkmals
Die Mauer des Denkmals wird auf einer Breite von knapp 1 m durchbrochen. Damit entsteht eine Verbindung von Vergangenheit (Kriege) und Zukunft (Kinder). Das an dieser Stelle dargestellte Schwert wird entfernt, im Durchbruch wird eine Glasscheibe mit dem Europa-Symbol montiert, das zwar den Durchblick ermöglicht, jedoch der Sicherheit auf dem Spielplatz des Kindergartens gerecht wird. Der Durchbruch in der Wand steht für den Neubeginn, das Glas für die Transparenz (Demokratie) und zugleich für Schutz (Bewahrung). Der Text, der auf einem Glasband als Regenbogen über den Totentafeln installiert wird, soll Hinweis auf eine friedliche Gesellschaft sein.
Das bogenförmige, blau getönte Glasband mit etwa 15-20 cm Breite über den Schrifttafeln erlaubt die Lesbarkeit der Namen der Gefallenen. Zusammen mit dem Durchbruch wird die blockige Architektur des Denkmals aufgelöst. Das Europa-Symbol soll die Freundschaft und Verständigung zwischen den Ländern darstellen und soll die Sinnlosigkeit von Krieg und Abschottung begründen. Der Durchblick ermöglicht, dass die spielenden Kinder als Zeichen des Lebens und der Hoffnung wahrgenommen werden. Der bestehende Sockel vor dem Denkmal mit der Aufschrift „Den Helden in Dankbarkeit gewidmet“ und dem Stahlhelm wird entfernt. Die Stufenanlage, welche derzeit um den Sockel herumführt, wird in durchlaufende Stufen umgebaut; der Anschluss der Platzfläche wird auf Oberkante der untersten Stufe erstellt. Damit verbleiben nur noch zwei Stufen und die Wuchtigkeit des Denkmals wird gemildert.
In der rechten Flügelmauer wird ein Durchbruch für einen barrierefreien Zugang zum Denkmal erstellt. Der Sockel des Stahlhelms wird aufgesägt und neben der „Germania“ (links des Denkmals) so zusammengefügt, dass die Schrift innen liegt, so dass sie zwar nicht mehr sichtbar ist, jedoch dauerhaft erhalten bleibt. Außen wird eine kurze Erklärung zur „Germania“ und den Kriegen von 1866 sowie 1870/71 angebracht. Die „Germania“ wird gedreht, so dass sie dem Platz zugewandt wird. Die Abdeckung der Mauer wird erneuert. Damit werden die Schrifttafeln besser vor Niederschlagswasser geschützt.

Am Kriegerdenkmal werden QR-Codes angebracht, über die den Namen auf den Gedenktafeln online ergänzende Informationen zu deren Leben und Familien zugeordnet werden. Dies soll das Erinnern und Gedenken erleichtern und Alt und Jung stets zum Frieden mahnen. Das 150-jährige Bestehen der Krieger- und Soldatenvereine wurde im Juli 2022 zum Anlass genommen, den Verband der Veteranen- und Soldatenvereine im Allgäu (VVS Allgäu) zu gründen. Hierzu wurde vom Bayerischen Rundfunk im Vorfeld folgender Filmbeitrag ausgestrahlt: Veteranen-Vereine: Tradition oder aus der Zeit gefallen? | BR24. Ein entsprechender Zeitungsbericht darüber erschien am Samstag, 09.07.2022 in der Allgäuer Zeitung.
Der Spielplatz

Die wenig attraktive Hinterseite des Denkmals soll von den Kindergartenkindern genutzt werden. Deshalb wird dort ist eine Holzbühne für Theater und andere Aufführungen vorgesehen. Die Bühne wird auf Höhe des Fundamentsockels angebracht, wodurch die Mauer deutlich niedriger wird. Mit dem Durchbruch und der Glasscheibe entsteht eine Blickbeziehung zwischen Spielplatz und dem öffentlichen Raum.
Das Denkmal mit dem Gedenken wird somit in den Mittelpunkt zwischen der Kindergartennutzung und dem öffentlichen Leben gesetzt. Zwischen die Holzbühne und das Denkmal wird ein Lebensbaum gepflanzt. Der Feuer-Ahorn (Acerginnala) mit schirmförmiger Krone, grünlichweißen Blüten im Frühjahr und auffälliger Herbstfärbung steht direkt hinter dem Mauerdurchbruch im Bereich der Bühne. Er ergänzt und ersetzt auf langer Sicht den großen Spitz-Ahorn, der westlich des Denkmals steht. Vom Spielplatz wird die Holzbühne über zwei Stufen erreicht. Seitlich wird eine gepflasterte Zuwegung erstellt, über die eine stufenlose Erreichbarkeit gegeben ist. Auf der anderen Seite wird das Gelände im Wurzelbereich des Spitz-Ahorns angehoben, um diese zu schützen und den Bereich zu begrünen. Auch das Gelände vor der Bühne wird etwas angehoben, wodurch die Entwässerung der Bobbycar Fahrwege verbessert wird. Die Neupflasterung wird teilweise über Elterninitiativen geregelt.

Die Gerätehütte im Spielplatz wird entfernt, da sie nicht versetzt werden kann. Dafür wird eine neue Hütte neben einer Bestandsgarage am Spielplatzrand erstellt. Ein kleines Abteil dieser Hütte wird für Pflegegeräte für das Denkmal reserviert. Ein Teil des Bodenaushubs für die Platzgestaltung wird zur Geländegestaltung im Spielplatz verwendet.

Beidseits des Denkmals wird die Einfriedung erneuert. Dazu wird ein langlebiger Stabmattenzaun mit einem Tor im Zugangsbereich errichtet. Der Zaun wird in einer Hainbuchenhecke verschwinden. Die Höhe wird auf ca. 1 m begrenzt, damit Blickbeziehungen offengehalten werden.
Die Platzgestaltung

Vor dem Denkmal soll ein Friedensplatz mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen. Durch die Lage beim Alten Pfarrhof St. Georg „Haus der Begegnung“ wird eine Nutzung durch Kinder, Jugendliche und Familien erwartet. Die schmale, gekieste Zuwegung zum Denkmal wird in eine großzügige Platzgestaltung umgewandelt, in die der neue Gehweg und die Zuwegung zum Pfarrheim / Jugendhaus / Kindergarten / Bücherei integriert wird.
Zur Kreisstraße entstehen Grüninseln und der Zugang zur später verwirklichten Querungshilfe. In das Pflaster werden „Sinnsteine“ mit Begriffen als „Botschaften des Herzens“ integriert. Das Pflaster wird als Passe-Verband ausgeführt, der sich aus dem Segmentbogenverband im Gehweg herausentwickelt. Die Platzgestaltung schließt im Westen mit - Lavendel-Beet ab. Die derzeit abfallende Grünfläche wird als horizontale Fläche angehoben, die weiter westlich mit Böschungen zum Nachbargrundstück und zum Gehweg abfällt. In der Grünfläche werden 5 Halterungen für Fahnenmasten integriert.
Am Rand der Pfasterfläche sind Granitblöcke 1,0/0,4/0,4 m ähnlich denen auf dem Kirchenvorplatz vorgesehen. Darauf werden Holz-Sitzflächen montiert. In der Pflasterfläche wird eine Halterung für den Christbaum mit Stromanschluss für dessen Beleuchtung eingebaut. Die Grünflächen vor dem Alten Pfarrhof und zwischen Kreisstraße und Platzfläche sowie die Böschungsflächen werden zu Blumenwiesen entwickelt. Die sonstigen Grünflächen sollen betreten werden können und werden deshalb regelmäßig gepflegt. Zwischen Denkmal und dem Alten Pfarrhof St. Georg wird eine Felsenbirne als Hochstamm (dekorativer Kleinbaum) gepflanzt.
© 2022 Gemeinde Wildpoldsried