Montag, 15.09.2014

16:00 Uhr

Kulturcafe geöffnet

KULTIVIERT - Kulturcafe

17:00 Uhr

Kartenvorverkauf "Manitu's Schuh"

KULTIVIERT Ökologisches Bildungszentrum

Dienstag, 16.09.2014

14:00 Uhr

SSV Turnen: Start Seniorengymnastik

Aula Schule Wildpoldsried

Mittwoch, 17.09.2014

09:30 Uhr

SSV Turnen: Start Seniorengymnastik

Turnhalle - Schule Wildpoldsried

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Sporthalle - Am Hungersberg 6

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Aus der allgemeinen Geschichte und der Chronik der Gemeinde Wildpoldsried

Unsere Gemeinde liegt 10 km nordöstlich von Kempten (Allgäu) in 724 m Höhe über NN im Leubasbecken. Seine Westgrenze bildet der nord-südlich streichende Höhenzug der Wagegger Halde (845 m über NN), die östliche Grenze der Höhenzug entlang Wilden Berg und Oberes Holz.

Unser Dorf Wildpoldsried wird erstmals urkundlich erwähnt im Jahr 1392 (Verkauf der Burg Wolkenberg); der genaue Siedlungsbeginn ist jedoch unbekannt.

Eine Annahme ist nach Ansicht von Historikern, daß unser Ort dank seiner günstigen Lage und aufgrund seines Kirchenpatroziniums des Hl. Georg, das damals üblich war, zu den frühen Ried-Orten des 9. Jahrhunderts zählt. Die andere Annahme vermutet, daß Wildpoldsried erst durch Rodung von Burg Wolkenberg aus (829 m über NN) im 12. Jahrhundert entstand. In dieser Zeit ordneten die herrschenden Hohenstaufer ihren Burgherren an, Rodungen in unserer Heimat vorzunehmen. Solch ein Ruf erreichte auch die Burg Wolkenberg (erstmals erwähnt 1262), die den Schwaben Willibold (altdeutsch: "ein Mann tapferen Willens") mit einer Rodung beauftragte. Dies begründet sich auf die Aufzeichnungen im Stift-Kemptischen Salbuch von 1394 (erstmalige Erwähnung) woraus hervorgeht, daß Wildpoldsried das zu Wolkenberg gehörige Dorf war.

Ob Willibold als Einzelsiedler kam, dem dann andere folgten oder als Anführer einer Siedlergruppe, wissen wir nicht. So kam Wildpoldsried zu seinem Namen: es war auf jeden Fall eine Rodung des Willibold (Ried = Rodung oder Moor). Etwa um die gleiche Zeit wie das Dorf dürften auch die meisten Weiler entstanden sein. Ihre genaue Entstehungszeit ist ebenfalls nicht bekannt. Doch werden sie auch urkundlich erwähnt, manche sogar früher datiert als das Dorf selbst. Trogoi und Eufnach im Jahre 1357, Meggenried und Kürbsen 1373 und Eiberg und Hutoi 1381. Den Herrschaften von Wolkenberg unterstand Wildpoldsried wohl von seiner Gründung bis zum Ende des 14. Jahrhunderts. Ein Eintrag im Stift-Kemptischen Salbuch bestätigt dies: "Am Georgitag 1398 kamen Herrschaft und Burg Wolkenberg mit dem dazugehörigen Dorf Wildpoldsried unter Fürstabt Friedrich von Hirschdorf durch Kauf endgültig an das Stift Kempten." Nach diesem Erwerb wurde die Burg Wolkenberg zum Sitz des Stiftvogts und somit eine der wichtigsten und bekanntesten Burgen des Allgäus. Die nächsten 400 Jahre stand Wildpoldsried unter der Herrschaft des Stiftes Kempten. Maßgebender Herrscher über unser Dorf war dadurch der Burgherr zu Wolkenberg.

Als Folge des Bauernkriegs (1525) mußte eine Brandsteuer an den schwäbischen Bund gezahlt werden. Aus diesen Unterlagen geht hervor, daß in Wildpoldsried zu dieser Zeit bereits 100 Hofstätten bestanden mit insgesamt 620 Seelen (zum Vergleich: Betzigau 80 Hofstätten, Wiggensbach 100 Hofstätten).

Auch der 30-jährige Krieg (1618 - 1648) und die zu dieser Zeit wütende Pest gingen nicht spurlos an unserem Ort vorüber. Während die deutsche Bevölkerung, welche man vor dem Krieg auf 17 Millionen schätzte, nach dem Krieg noch etwa vier Millionen gezählt haben soll, ist die Einwohnerzahl von Wildpoldsried lediglich von 620 auf "weit unter" 500 Personen gesunken. Dabei wurden auch zahlreiche Hofstätten zerstört, in ganz Bayern gab es noch 150 Jahre nach dem Krieg 5000 ödliegende Anwesen.

In den Jahren 1789 und 1790 wurde die Vereinödung des Dorfes durchgeführt; d.h. man legte den gesamten meist sehr verstreut liegenden Grundbesitz der Bauern eines Dorfes oder eines Weilers zusammen und teilte dann aus diesem Ganzen jedem Bauern ein möglichst zusammenhängendes Stück zu, der Größe und Güte seines früheren Besitzes entsprechend. Überwiegend wurden dabei die Einzelhöfe der Einöde oder in Straßberg, aber auch andere Bauernhöfe gebaut.

Nach dem Reichsdeputationsbeschluß 1803 und der damit verbundenen Säkularisation leisteten die Bewohner des Stiftlandes ihrem neuen Herrn, dem Kurfürsten Maximilian von Bayern, den Treueeid und seitdem ist das Allgäu und somit auch Wildpoldsried bayerisch. 1808 folgte dann eine Neueinteilung Bayerns in 15 Kreise, nach Flurnamen benannt. Wildpoldsried gehörte zum Illerkreis mit der Hauptstadt Kempten. Dieser Kreis umfaßte das Gebiet von Grönenbach im Norden bis ins Montafon (heutige Schweiz) im Süden und von Buchhorn (heute Friedrichshafen) im Westen bis Füssen im Osten. Durch diese Neueinteilung Bayerns wurde für die Landgemeinden das Gemeindeedikt erlassen. Es bestimmte, daß nun die Gemeinde einen "Ortsvorsteher" vorschlage; ab 1818 wurde daraus der "Gemeindevorsteher".

Im Jahr 1817 wurde der Illerkreis mit dem Oberdonaukreis zusammengelegt und daraus entstand 1837 der Regierungsbezirk Schwaben.

Die Zahl der Ortsanwesenden (Wohnbevölkerung, vorübergehend Anwesende und landwirtschaftliche Hilfskräfte) betrug 743 Personen im Jahr 1840. Das Dorfwachstum beschränkte sich hauptsächlich auf das Dorf. Auf dem Plan von 1830 standen zwei Anwesen an der Abzweigung der heutigen Bahnhofstraße noch "außerhalb des Dorfes am Weg nach Betzigau".

Der Bau der zu Beginn eingleisigen Eisenbahnlinie Augsburg - Buchloe - Kempten brachte auch für unsere Gemeinde den gewünschten Anschluß an die "weite Welt". Die Wildpoldsrieder hatten wohl etwas Angst vor der Eisenbahn; denn sie wünschten sich den Bahnhof nicht auf dem vorgesehenen Platz nahe bei der Unterführung an der Salzstraße, sondern lieber etwas abseits vom damaligen Dorf an seinem heutigen ehemaligen Platz. Am 1. April 1852 wurde die Strecke und die Bahnstation Wildpoldsried eingeweiht; der zweigleisige Ausbau erfolgte 1902.

1869 erschien die Gemeindeordnung und von nun an war der "Bürgermeister" der Chef der Gemeinde.

Die erste mechanische Mähmaschine wurde um 1890 in Wildpoldsried betrieben.

Nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajevo kam es zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs (1914 - 1918). Insgesamt 28 Gefallene und 3 Vermißte verzeichnete die Gemeinde Wildpoldsried. Schon vor Kriegsausbruch waren in einigen Häusern des Dorfes die Stromleitungen gelegt

worden. Mit Kriegsbeginn unterblieb die weitere Installation und wurde erst nach Kriegsende im Jahre 1919 wieder aufgenommen. Eines Tages war es dann soweit: Der Einzug des elektrischen Stromes in das Dorf war mit einem festlichen Abend im Gasthaus Adler verbunden.

Die danach währende Inflation trieb bunte Blüten: Im Januar 1923 war eine Goldmark 4.281 Papiermark wert, im November bereits 1000000000000 (Billion) Papiermark!

Nach mündlichem Bericht kam 1926/27 das erste Radio hierher, 1928 zogen die ersten Autos ein und um 1930 die ersten Traktoren

Der Zweite Weltkrieg (1939 - 1945) war dann weitaus verlustreicher für die Wildpoldsrieder Bevölkerung. 58 Gefallene und 26 Vermißte zählte der Dorfchronist. Doch die Zahl der Wohnbevölkerung stieg durch den Zuzug von Evakuierten und Heimatvertriebenen von 1170 (1939) auf 1765 Einwohner (1946). Während die Bevölkerung von 1528 bis 1840 - also in rund 300 Jahren - um gut 100 Personen zunahm, wuchs sie in den letzten fast 130 Jahren von 1870 bis 1998 um rund 1.400 Personen! Das ist ein allgemeines Erscheinungsbild.



Anmerkung der Autors:

Auf die nähere Geschichte der letzten 50 Jahre wurde bewußt verzichtet, da sie bei vielen Mitbürgern meist noch mehr oder weniger gut im Gedächtnis ist und oft nur die entfernte Vergangenheit nicht oder nicht mehr bekannt ist.

Kurzzusammenfassung der von Sophie Nieberle erstellten Gemeindechronik (Herausgegeben von der Gemeinde Wildpoldsried, Herbst 1974) durch Thomas Eigstler.